10. Dezember

Vor einer Weile, nach einer kurzen und schlaflosen Nacht mit vielen Unterbrechungen, kam ich auf der Arbeit beim Mittag mit einem Kollegen ins Gespräch, bei dem es gedanklich langsam Richtung Familienplanung geht. Zusammen mit den anderen Eltern am Tisch holten wir eine anstrengende Story nach der anderen hervor und übertrumpften uns gegenseitig, mit schlaflosen Nächten, sämtlichen Kita-Krankheiten und Kitakeimen, schreienden und bockenden Kindern und Momente in denen man als Eltern einen ganz schönen Schreck bekommen hat, wenn das Kind einmal heftiger als sonst hingefallen sind.
Am Ende meinte der kinderlose Kollege: „Ich war mir bereits vorher unsicher, ob ich das möchte, jetzt bin ich mir noch unsicherer“. Rückblickend fand, ich ziemlich schade und deshalb möchte ich das heute ein wenig ins richtige Licht rücken.

Bevor unser erstes Kind zur Welt kam, sagt mein Schwager folgendes zu mir: „Du kannst dir nicht vorstellen wie anstrengend es wird. Du kannst dir nicht vorstellen, wie schön es wird.“
Neben Erziehung, mehr Organisation, zusätzliche Verantwortung und das Zurückstecken eigener (Grund-) Bedürfnisse, ist ein nicht zu unterschätzender Akt, sich als Paar nicht zu verlieren, aber sich auch gegenseitig Freizeit einzuräumen, um sich selbst als Mensch nicht zu verlieren. Und das kostet Arbeit und kann ziemlich anstrengend sein.

Und warum bekommen wir dann doch Kinder?
Zum einen, weil mein Kind mich bedingungslos liebt. Selbst mich nach einem anstrengenden Tag total falsch verhalte und mich im Ton vergreife, so nimmt Ole meine Entschuldigung ohne Zögern an und es ist sogleich vergessen. Mit einem Erwachsenen Menschen kann es im schlimmsten Fall dazu führen, dass ich nie wieder mit der Person Kontakt habe.
Wenn ich nach Hause komme und Nina auf der Krabbeldecke liegt und mich sieht, dann fängt sie sofort an zu lachen, wenn sie mich sieht.
Neulich holte ich Ole aus der Kita ab. Sie waren im Garten und er sah mich nicht sofort. Ich beobachte ihn Stil für zwei Minuten. Er schaut gedankenverloren durch die Gegend und schaut auf die Gruppe Erzieher, die sich im Kreis unterhielten. Dann entdeckte er mich endlich. Sofort fing seine Miene an, sich zu einem breiten Grinsen zu verziehen. „Papa!!!“. Er rannte mit seinen kurzen Beinen so niedlich auf mich zu und hörte nicht auf zu lachen. Bei mir angekommen, schloss ich dann in die Arme. Dieser Moment war so schön und so unerwartet, dass ich für immer in meinem Kopf behalten werde.

Zum anderen finde ich, es fühl sich unfassbar gut an gebraucht zu werden oder wichtig für jemanden zu sein.
Wenn ich Gedanken versunken die Straße überquere und Mama und Ole auf der anderen Seite stehen lasse, beginnt Ole manchmal heftig zu weinen. „Mein Paapaaa!!!“.
Hat Ole schlecht geschlafen oder sich verletzt, hilft oft eine Kuscheleinheit.
Wenn Nina übermüdet ist, aber nicht einschlafen will, dann lege ich mich auf den Rücken, klemme ihren rechten Arm unter meine linke Achsel und lege ihren Kopf auf meine Schulter. So hat sie an meinem Arm und Körper den maximalen Körperkontakt. Wenn sie in diesem Moment keine weiteren Bedürfnisse hat, beruhigt sie sich innerhalb von wenigen Sekunden und schläft nach wenigen Minuten ein. Als Nebeneffekt wirkt dies noch super entschleunigend auf einen selbst.

Wenn ich sehe, wie Ole und Nina von Tag zu Tag neue Sachen lernen und die eigene Erziehung Früchte trägt, dann macht einen das unglaublich stolz.

Und nicht zuletzt kann ich selbst wieder Kind sein. Lego bauen, Brio Schienen verlegen, auf dem Klettergerüst klettern, Fangen spielen, Faxen machen, in der Badewanne planschen bis das Bad schwimmt, malen. Vieles davon ist so einfach, aber man hat über die Jahre vergessen, wie schön es ist.

Das heutige Lied spiegelt diese Liebe zu einem Kind perfekt wider. Während ich den Text schreibe, höre ich es erneut und werde direkt ein wenig emotional …